Fortsetzung 4 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Wer hat den Bergdoktor auf dem Gewissen?

Die Nachfahren von Albert Schweitzer gibt es heute nur noch im deutschen Fernsehprogramm. Arztserien wie «Der Bergdoktor», «In aller Freundschaft» und «Familie Dr. Kleist» erzielen regelmäßig gute Einschaltquoten. Die Serien zeigen uns die perfekten Ärzte. Sie haben offene Ohren für ihre Patienten und Mitarbeiter, und wenn es irgendwo Probleme gibt, springen sie sofort ins Auto und rasen los. Das sind natürlich Fantasien von Drehbuchautoren. Doch irgendwie müssen sie die Sehnsucht in uns nach einer heilen Welt anheizen, denn sonst würden wir nicht so oft einschalten.Wenn man nach solchen Ärzten in der Realität sucht, stößt man auf keinen Albert Schweitzer. Er war ein Arzt, für den es wichtig war, Menschen zu helfen. Nun ist aber Albert Schweitzer lange tot, und die echten Abbilder des Bergdoktors stürzen gerade vom Felsen ab, auf den wir sie gehoben haben. Eigentlich genießen Ärzte seit Jahrzehnten in unserer Gesellschaft ein sehr hohes Ansehen. Ein «Herr Doktor» zu sein, das ist mal was!Wer Menschen heilt, muss ein Menschenfreund und an sich ein guter Mensch sein. Diese Erwartungen waren sicherlich oft übertrieben,und vielleicht gerade weil sie zu hoch waren, spürt man jetzt die Enttäuschung umso stärker. Denn dieser solide Image-Felsen bröckelt. Immer öfter stehen Ärzte öffentlich als gierig da. Die Ärzte sind an solchen Bildern nicht unschuldig. Seit  Jahren diskutiere ich mit ihnen über unser System. Solidarität hat die Masse der Ärzte in diesen Jahren aber herzlich wenig interessiert. Vor kurzem habe ich mit einem Arzt gesprochen, der zu mir sagte: «Das Solidarystem brauchen wir nicht. Es ist ungerecht.»«Wie?», habe ich ihn gefragt. «Ungerecht für wen? Für euch Ärzte?»Da hat er unumwunden Ja gesagt: «Im Solidarsystem bekommen wir nicht, was wir verdienen.»So ging es all die Jahre in meinen unzähligen Gesprächen mit Ärzten immer nur um einen Punkt: ihre Honorare. Aber das Image bröckelt nicht nur bei mir. Auch die Öffentlichkeit wird skeptisch. In den vergangenen Jahren haben die Ärzte für höhere Honorare demonstriert. Viele Patienten rieben sich ungläubig die Augen, als die Ärzte anfingen, sich über zu wenig Geld zu beklagen. Denn der «Herr Doktor», so glauben viele, verdient eher gut als schlecht. Das ist Teil des Bildes,das wir von ihm haben. Auf eine Frage möchte ich mich in diesem Buch aber nicht einlassen: Verdienen Ärzte genug? Diese Neid-Debatte bringt uns nicht weiter. Aber interessant ist sie schon deshalb, weil sie entlarvt, dass das Marktdenken auch längst bei uns Patienten angekommen ist. Wir sind Schnäppchenjäger geworden, die gerne in einem Discount-Gesundheitssystem beim besten Angebot zuschlagen. Teure Ärzte sind da schon Luxusgüter, und wehe, sie kosten zu viel! Um diese Patientenmentalität soll es im nächsten Kapitel gehen.Kommen wir zurück zu den Ärzten. Auch sie haben sich dem Markt angepasst. Das System hat die Einstellung der jungen Mediziner zu ihrem Beruf und letztlich auch zu uns Patienten verändert. Ich glaube, das liegt ein Stück an der Ausbildung.Die Studierenden müssen schnell kapieren, dass sie in der Uni nur durchkommen, wenn sie sich anpassen und die Regeln befolgen. In der Klinik als Assistenzarzt ist das später nicht besser: Wer Karriere machen und mal Oberarzt werden will, muss vor den meisten Chefärzten buckeln. Und so haben sie sich auch an die neue Welt angepasst, die vor ihren Augen aus dem Solidarsystem herausgebrochen worden ist. Traurig ist,dass sie sich nie dagegen gewehrt haben. Sie haben eigentlich als Erste gesehen, was da kommt. Aber sie haben stillgehalten und überlegt, wie sie sich anpassen können. In dieser Welt ist der Menschenfreund in dem TV-Bergdoktor nur noch eine schräge Fiktion. Längst zählt eine ganz andere Qualität, um in diesem Job zu überleben. Ärzte müssen Zahlen mehr lieben als Menschen. Betriebswirte, Ökonomen und Investoren haben den Bergdoktor längst umgebracht. (..)

Fortsetzung folgt – bleiben Sie dran, es geht uns alle an.

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Fortsetzung 3 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Fortsetzung 3 aus meinem Buch „Der goldene Skalp“

Das habe ich jahrelang nicht erkannt, und ich habe diese Ärzte immer entschuldigt. Wahrscheinlich liegt das an meiner Prägung als Sozialarbeiterin. Ich habe lange Jahre in der Bewährungshilfe viele schwierige Fälle betreut, an deren Lage angeblich immer etwas anderes schuld war. Und so habe ich Ärzte eben auch entschuldigt und ihr Verhalten gerechtfertigt, so als könnten sie bei diesem System nicht anders reagieren. Aber in Wirklichkeit sind sie selbst verantwortlich. Sie zanken sich um Honorare und Patienten.

Der Wettbewerb hat mittlerweile aus Haus-, Fach- und Kinderärzten Konkurrenten gemacht, die sich gegenseitig misstrauen. Da tun mir die Ärzte einerseits leid, andererseits bekomme ich eine riesige Wut auf sie, weil sie es eigentlich in der Hand hätten, das System zu verändern, aber stattdessen im Hamsterrad den Honoraren hinterher rennen. Nur die Ärzte und ihr Verhalten zu kritisieren wäre zu kurz gedacht. Wehren wir uns denn als Beitragszahler? Mein Eindruck ist, dass wir schon selbst glauben, in diesem Wildwestkrimi irgendwo auf Öl zu stoßen und selbst Profit aus dem System herauszuschlagen. Uns Patienten bezeichnen die Kassen seit Jahren schon als Kunden, und ich habe immer mehr das Gefühl, dass diese Propaganda mittlerweile in unseren Köpfen Wurzeln geschlagen hat. Wir sind so geblendet und übersehen, dass dieses System das Verhältnis zu uns Menschen komplett verändert hat. Wir sind keine Patienten mehr, und auch unsere Gesundheit ist zweitrangig. Nach Jahren der Recherche und Kampf mache ich mir deshalb nichts mehr vor: Das Solidarsystem existiert nicht mehr. Das ist nur noch ein sozialromantisches Märchen, das wir uns zur Beruhigung vor dem Schlafengehen erzählen.

In Wirklichkeit stehen nur noch Ruinen, und die werden Stück um Stück von denen abgetragen und verkauft, die seit Jahren auf die Geldberge unseres Gesundheitssystems aus sind. Denn wir reden hier über einen wachsenden Markt! Durch den fließen jährlich allein an Kassenbeiträgen ca. 250 Milliarden Euro. Plus ca. 70 Milliarden Euro, die durch Zuzahlungen und unzählige Gesundheitsprodukte dazukommen.  Für ein Stück von diesem Kuchen ist jeder bereit, seinen Nächsten gewinnbringend zu verschachern. Die Krankenkassen die Funktionäre. Die Funktionäre die Ärzte. Die Politiker die Ärzte. Die Ärzte die Patienten. Die Gesunden die Kranken. Die Kranken die Schwerkranken. Denn das neue, marktregierte System verwandelt uns alle, es macht uns krank! Wir nehmen aber gar nicht wahr, was mittlerweile aus Ärzten, Pflegekräften, Patienten und Politikern geworden ist. Unsere Gesellschaft ist längst auch mit dem Virus des Dollar-Fiebers verseucht. Rückblickend saß ich acht Jahre lang in einem Kinofilm, in dem sich vor meinem Auge die Auswüchse der menschlichen Gier abgespielt haben. Nur dass dieser Film nicht nach zwei Stunden aus war.

Er hat bis heute nicht aufgehört. Nach jedem Ende wartete ein neuer Abgrund. Acht Jahre Lebenszeit habe ich für diese Schmierenkomödie investiert, als dieses Buch entstand. Eigentlich hatte ich mir geschworen, dass nie wieder ein Thema so Besitz von mir ergreifen darf. Mein Ziel war immer ein menschlicheres Gesundheitssystem – dort bin ich noch nicht angekommen. Unterwegs habe ich aber so viel erlebt, dass ich mich fühle wie ein Container, bis zum Rand angefüllt mit dem Unrat dieses Systems.

Ich muss einfach die Türen aufklappen und das alles zu Papier bringen, sonst platze ich noch. Darum ist dieses Buch auch meine Geschichte mit dem System. Ich werde hier die Fakten aufschreiben, die mittlerweile Regale voller Ordner und Boxen in meinem Archiv füllen Greenhorns. Leichte Beute. Wirklich gut kennen sich nur die aus, die dieses System gebaut. Aber auch die vielen Erlebnisse, die mehr als Fakten unserem Gesundheitssystem die Maske herunterreißen.

Meine Erkenntnis dabei ist: Diese gierigen Fremden, nach denen ich so lange gesucht habe, das sind wir alle. Die Gier beherrscht uns, darum ist unser krankes Gesundheitssystem nicht mehr zu heilen. Es wird immer kränker und schwächer, und die Medikamente, die ihm als politische Reformen gespritzt werden, bringen rein gar nichts. Darum müssen wir die Augen öffnen! Wir haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir übernehmen als Versicherte und Ärzte endlich Verantwortung und starten neu. Oder wir vergessen das mit der Solidarität und dem Mitgefühl, verhökern das letzte Tafelsilber un d finden uns damit ab, dass wir kein Miteinander mehr wollen. Dann sollten wir uns aber besser mit dieser Welt anfreunden, die ich Ihnen, werte Leserinnen und Leser, in den nächsten Kapiteln zeigen werde. Und lassen Sie mich jetzt schon sagen, es ist eine hässliche Welt! Und sie wird immer hässlicher. In ihr sind wir allesamt Greenhorns und leichte beute, für diejenigen, die sich diese Welt erdacht haben. Ihr sind wir als Patienten und Ärzte ausgeliefert. (..) Fortsetzung folgt.

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Teil 2 – Fortsetzung aus meinem Buch

Teil 2 aus meinem Buch “Der goldene Skalp” Kapitel 1 – Ich war ein Greenhorn

Ärzte, Ärztinnen, Schwestern und Pfleger müssen spuren. In diesem Land war ich eine Fremde.Wenige Tage später klingelte es bei uns, und vier Ärzte standen vor der Tür. Mein Hausarzt hatte drei Kollegen mitgebracht, und bis spät in die Nacht saßen sie mit uns am großen Tisch im Esszimmer und klagten ihr Leid mit dem Gesundheitssystem. So hörte ich zum ersten Mal Wörter wie «Regelleistungsvolumen», «Fallpauschale» oder «Regress», und die Ärzte erzählten von völlig absurden Abrechnungen. Ich war entsetzt: Jeder Arzt bekommt im Quartal pro Patient eine bestimmte Summe. Egal, wie oft der Patient in seine Praxis kommt. Als die vier gegangen waren, sagte ich zu meinem Mann: «Entweder ich lese die falsche Zeitung, oder die vier haben uns die letzten Stunden für dumm verkaufen wollen. Oder sie sind einfach nicht ganz richtig im Kopf!» Von dem, was die mir da erzählten, hatte ich noch nie etwas gehört. Es war für mich wie eine Fremdsprache, in der sie sich unterhalten haben. Ich wollte wissen: Welcher Hornochse kommt auf die Idee, ein solches System, von dem 90 Prozent der Bevölkerung abhängig sind, so zu verkomplizieren, dass es niemand mehr versteht? Also bin ich bereits einige Wochen später in den Bus eingestiegen und mitgefahren. Ich wollte kämpfen! Denn eine Welt ohne Hausärzte war keine, in der ich leben wollte. Mein Albtraum war, dass die freien niedergelassenen Ärzte weggespart werden und Handelsvertreter der Gesundheitskonzerne ihren Platz einnehmen. Die haben zwar auch Medizin studiert, sind aber für mich keine Ärzte mehr, weil es ihnen nicht um unsere Gesundheit zu gehen hat, sondern darum, den Gewinn ihrer Arbeitgeber zu steigern. Das Ende der Busreise war ein Debakel.Die Ärztinnen und Ärzte wollten, dass ihre Sorgen gehört würden. Stattdessen wurden ihre Redebeiträge von einem anwesenden Politiker, übrigens selbst Arzt, als ein Benehmen wie «Rotz am Ärmel» betitelt. Es wird keine Hilfe kommen. Das wurde mir damals klar. Also wollte ich kämpfen. Ich wollte diesen Fremden finden, der den Ärzten im Nacken sitzt und sie zwingt, ihre Patienten abzuspeisen. Ich wollte nicht, dass er unser Gesundheitssystem mit Haut und Haaren verschlingt. Also drehte ich jeden Stein um, ihn zu finden und in die Ecke zu treiben. Ich telefonierte, recherchierte, schrieb Bücher, gründete eine Bürgerinitiative und mietete für eine Demo das Olympiastadion in München. Ich wusste, dass Patienten und Hausärzte gemeinsam für das Gesundheitssystem aufstehen und es im Schulterschluss verteidigen müssen. Sonst würde es niemand machen. Ich hatte immer geglaubt, dass Ärzte und Patienten nichts mehr wollen als eine gute Gesundheitsversorgung erhalten. Aber ich war noch immer ein Greenhorn. Und ich musste die Wahrheit schmerzhaft kennen lernen: Es gibt keinen Schulterschluss und kein Mitgefühl mehr. Die Ärzte nutzten mein Engagement und meine Wut für ihre Zwecke aus. In all den Jahren ging es der Masse der Ärzte nie darum, die Systemfehler zu beheben; sie hätten die Macht dazu! Aber sie haben sich diesem System angepasst und sich eingerichtet. Es ging immer nur um die Honorare und nie um das, wofür ich eigentlich angetreten bin. Ein Ärztefunktionär hat mir mal höhnisch geraten, ich solle mich besser nicht so für die Ärzte aus dem Fenster lehnen. Denn eins sei sicher: Egal, wer der Schar vorweglaufe, er müsse nur einen Hunderteuroschein hochhalten und die Ärzte würden blind hinterherlaufen. Egal in welche Richtung. Damals habe ich mich öffentlich mit dem Funktionär angelegt, heute muss ich ihm leider recht geben: Für die große Masse der Ärzte stimmt das.

Fortsetzung folgt – bleiben Sie dran wenn Sie mehr wissen möchten!

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Veröffentlichung meines Buches “Der goldene Skalp” in Fortsetzungen Teil 1

Anlässlich des 10 jährigen Jubiläums meiner Webseite www.patient-informiert-sich.de” veröffentliche ich eines meiner Bücher zum Gesundheitssystem in Fortsetzungen ab heute für die breite Öffentlichkeit, hier auf meinem Blog. 7.April 2017 RH

Teil 1

Renate Hartwig

Der goldene Skalp

Wie uns die Machenschaften der Gesundheitsindustrie

das Fell abziehen

«Wer wagt, gewinnt – deshalb wage ich weiter.» RH

Die Autorin

Renate Hartwig, geboren in Lindau, ursprünglich Sozialarbeiterin,

ist heute Publizistin und Bestsellerautorin. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Hartwig durch ihre kritischen Bücher über «Scientology» bekannt, die sie schrieb, während sie sich mutig gegen diese Organisation einsetzte. Mit demselben Engagement kämpft sie für ein Gesundheitssystem, in dem der Mensch und nicht der Mammon im Mittelpunkt steht. Sie stellt sich gegen die, wie sie sagt, von «Kapitalinteressen» dominierte Gesundheitspolitik. Die Art, wie sie seit Jahren gegen mafiöse Strukturen kämpft, findet in weiten Kreisen Anerkennung.

Vorwort

Weshalb dieses Buch? Habe ich nicht schon alles aufgeschrieben? Nein! 8 Jahre lang saß ich in der ersten Reihe der Schmierenkomödie, die sich «unser Gesundheitssystem» nennt. Ich kenne das miese Programm. Jetzt ist es Zeit für eine letzte Warnung. Ich will aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. Deshalb dieses Buch.

Renate Hartwig, April 2014

Kapitel 1   Die Wut eines Greenhorns

Ich war ein Greenhorn, eingeklemmt in den Sitz eines Reisebusses, auf meinem Weg in eine neue Welt. Greenhorns waren Männer und Frauen, die in ein unbekanntes Amerika aufbrachen, um ein neues Leben zu beginnen. Sie waren unerfahren und hatten keine Vorstellung von dem, was sie hinter dem Ozean erwartete. Sie waren perfekte Opfer für die Spießgesellen, die das raue Leben im neuen Land schon kannten. Die nutzten ihre Unerfahrenheit aus und benutzten sie für ihre Pläne. Es fällt mir nicht leicht, mir das einzugestehen: Aber genauso ein Greenhorn war ich auch. Und lange habe ich die Wahrheit nicht gesehen. Vor 2007 begann meine Reise. Mit dem Bus fuhr eine Gruppe Hausärzte nach Nürnberg zu einem Treffen, bei dem sie richtig Dampf ablassen wollten. Sie waren wütend und verzweifelt. Überall um mich herum klagten Männer und Frauen über ihre Situation. Sie schimpften und fluchten über ein Gesundheitssystem, in dem sie Gefangene bei Wasser und Brot waren. Aber keine Ärzte mehr, die gerne Patienten behandelten. Sie hatten Angst um ihre Zukunft, denn die Entscheider hatten sie an der Kehle gepackt und drückten ihnen die Luft ab. Die Honorare waren schlecht, und was ich in diesem Bus hörte, machte mir Sorgen: Viele Existenzen und Praxen standen vor dem Ende. Eine Welt ohne Hausärzte? Keine, in der ich leben wollte. So lange ich mich erinnern kann, hatte ich nie negative Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Begegnungen mit ihnen hatte ich genug: Ich weiß noch heute, wie mein Kinderarzt, Dr. Wagner, ausgesehen hat. Graue Haare, für mich als Kind schien er riesengroß. Ja, er kam mir immer vor wie ein guter Riese. Wenn mir etwas wehtat, dann konnte er das wegzaubern. Ich konnte als Kind nicht verstehen, warum andere Kinder im Wartezimmer weinten und Angst hatten vorm Herrn Doktor. Aber es gab noch andere wichtige Ärzte für mich. Mein Vater war in meiner Kindheit schwer krank, und unser Hausarzt, Dr. Euler, kam immer zu uns nach Hause und hat ihn hervorragend betreut. Außerdem hat unsere ganze Familie meine kranke Mutter im Alter mit Unterstützung unseres damaligen Hausarztes daheim gepflegt. Dazu kamen Schwangerschaften, Geburten und natürlich Krankheiten. Alles waren Momente, in denen ich auf Ärztinnen und Ärzte angewiesen war und viele kennengelernt habe. Sie haben immer das erfüllt, was ich von ihnen erwarte: vertrauensvolle, verlässliche Partner zu sein. Sie haben sich Zeit genommen, zu verstehen und zu helfen. 2007 änderte sich alles. Da saß ich mit meinem rauen Hals im Sprechzimmer meines Hausarztes. Ich war allein – der Doktor war kurz raus zum Telefonieren gegangen. Plötzlich bewegte sich das Bild auf seinem Computerbildschirm, und ein breiter roter Streifen erschien. «Die Behandlungszeit für diesen Patienten ist abgelaufen», leuchtete da. Ich war ziemlich schockiert. Bisher gab es für mich in diesem Zimmer nur den Arzt und mich. Aber auf einmal hatte ich das Gefühl, als würde ein Fremder zwischen uns sitzen und bestimmen, dass ich jetzt zu gehen hätte. Aber ich konnte diesen Fremden nicht sehen und fragte mich: Wer entscheidet hier eigentlich, wie lange der Arzt mit mir reden darf? Ich wollte das verstehen, und als der Arzt zurückkam, habe ich ihn sofort auf dieses Laufband angesprochen. Er war ziemlich überrascht, es passte ihm nicht, dass ich den Hinweis auf seinem Bildschirm bemerkt hatte, und er sagte nur: «Ach wissen Sie, das ist das System.»Ich wollte, dass er mir das erklärt, aber er meinte: «Dazu reicht mein Budget nicht!» Ich war irritiert – bisher hatte ich nicht gehört, dass der Arzt für mich ein Budget hat. Bis dahin war ich immer voll Vertrauen zum Arzt gegangen, aber die Minuten in diesem Behandlungszimmer waren für mich wie ein Schock. Es war der Aufbruch in eine neue Welt, von der ich wenige Augenblicke vorher im Wartezimmer noch keinen blassen Schimmer hatte. Eigentlich ist das Bild von der neuen Welt ziemlich absurd, denn der Irrsinn dieses Gesundheitssystems trifft uns schon bei Lappalien wie einem Kratzen im Hals. Eigentlich sollten wir es deshalb kennen wie den Weg zum Hausarzt. So habe ich auch gedacht, dass ich eine Ahnung von diesem System hätte. Ich habe immer geglaubt, dass wir mit unseren Kassenbeiträgen ein Solidarsystem finanzieren, in dem der Gesunde für den Kranken zahlt. In dem Kassen das Beitragsgeld zum Wohle der Patienten verwalten und das nur zu dem einen Zweck existiert: im Krankheitsfall den Menschen mit den notwendigen Mitteln zu helfen. Damals wurde mir aber klar, dass wir für das «System» eine völlig neue Landkarte brauchen. Ich merkte zum ersten Mal, dass ich ein Greenhorn war. Zwar habe ich eine Versichertenkarte in meinem Geldbeutel, bin also Bürgerin des Landes «Gesundheitssystem », aber ich wurde wie alle anderen Kassenpatienten schön dumm gehalten. Denn ohne unser Wissen wurde die Gesundheitsversorgung umgepflügt und neu gestaltet, so dass ein gänzlich wildes und unentdecktes Land entstanden ist. In diesem Land herrschen nicht mehr Solidarität, Mitgefühl und Menschenwürde. In diesem Land schwingen die Betriebswirte, Ökonomen und Investoren die Gewinnpeitsche..(..)

Bleiben Sie dran, lesen Sie weiter, wie unser Gesundheitssystem tickt, Fortsetzung folgt

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6. April 2017 – zum heutigen Jubiläum 10 Jahre Patient informiert sich

Heute vor genau 10 Jahren am 6. April 2007 saß ich in einem Omnibus in Richtung Nürnberg zu einer Protestveranstaltung der Ärzteschaft in der Meistersingerhalle. Zeitgleich wurde heute vor 10 Jahren unsere Webseite patient informiert sich.de mit meiner ersten Pressemitteilung zu dem Thema online geschalten.

http://www.patient-informiert-sich.de/aktuelle_meldungen/archiv.php?akt_Jahr=2007

Wer auf der Seite unter Archiv geht, kann sich nicht nur über dutzende von Artikeln informieren, sondern kann den Lauf der letzten 10 Jahre erkennen.Das Ziel dieser Seite und meinem Blog war und ist, eine breite Front von informierten Bürgerpatienten, die sich einmischen! Zum heutigen Jubiläum habe ich mir dazu noch etwas besonderes ausgedacht. Ich werde ab 7.4.2017 mein Buch “Der goldene Skalp” nach und nach in Fortsetzungen, als bleibendes Nachschlagwerk über ein Gesundheitsystem, in dem der Mensch nach und nach zur Ware wird, hier auf meinem Blog veröffentlichen. Ein Blick hinter die Kulissen, die mich im Laufe der Jahre meiner Recherchen erschütterten, erschreckten und vor allem ernüchterten, wie dieses System über Lug und Betrug zusammengehalten wird!

Die Veröffentlichung in Fortsetzungen, eines meiner Bücher zum Gesundheitssystem  ist anlässlich des 10 jährigen Jubiläums meiner Webseite “Patient informiert sich” mein Geschenk an die Öffentlichkeit! Bitte weiter geben zur breiten Information. RH

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Pflegetage in Berlin – viele Worte und wer handelt?

Unser Gesundheitsminister Herr Gröhe, tönt seit seinem Amtsantritt 2013, es gehe ihm in allen Entscheidungen immer um uns Patienten. Im Moment sind in Berlin die Pflegetage. Vielleicht sollten wir uns als Gesellschaft mehr dafür interessieren, was die umstrittene Änderung der Pflegeausbildung für uns im Ernstfall bedeutet? Immerhin soll diese in dieser Legislaturperiode noch verabschiedet werden! Es geht, laut Gröhe, um eine sehr umfassende Ausbildungsveränderung, gegen die es berechtigten Widerstand gibt!

Gröhe strebt eine generalistische Ausbildung für die verschiedenen Bereiche der Pflege an. Die Ansprüche werden gesenkt, die Belastung der Pflegerinnen und Pfleger erhöht, deren geringes Einkommen interessiert keinen. Genauso wenig wie die Umstände für genau die Personengruppe, für die Gröhe sich doch – Medienwirksam – “stark” macht!

Deshalb hier ein Link in dem eine Altenpflegerin aus der Praxis sagt, was los ist im Pflegebereich! Ich möchte  ein weiteres mal, allen Personen im Pflegebereich tätigen, meine absolute Hochachtung aussprechen! Gleichzeitig bin ich entsetzt über all die Klugschwätzer, die in dem Bereich Pflege vom grünen Tisch aus, ohne Ahnung der Wirklichkeit, Entscheidungen treffen, die sie selbst nie betreffen! Auch in diesem Fall heißt Einmischen ist Bürgerpflicht!

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/FN__moma_Scheidtweiler_3003nl_8000-100.html

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Wurde Karneval verlängert?

Karneval ist doch vorbei oder!? Wie es aussieht, gab es aber eine weltweite Verlängerung! Täglich hören und sehen wir Politiker die sich verkleiden als aufrechte Demokraten. Präsidenten die wie Könige agieren und Diktatoren, die stolz in die Bütt steigen und der Menschenverachtung eine Narrenkappe aufsetzen. Und wer sind wir? Wir sind die maskierten Zuschauer im politischen Ballsaal. Klatschen, obwohl wir die Darsteller auf der Bühne auspfeifen müssten. Lachen obwohl es zum Heulen ist. Schweigen obwohl wir Schreien müssten. Passen uns an und sagen zu oft…Helau, anstatt Pfui Teufel. Dieser verlängerte Karneval findet ebenso bei den Spitzenfunktionären in den Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen statt. Und hier sind wir alle auch Zuschauer. Egal ob Patienten oder Ärzte, Krankenschwestern oder Therapeuthen, wir schauen zu anstatt wir aufstehen und uns solidarisieren. Wir klatschen Beifall wenn uns Systemfehler ausnahmsweise nicht treffen. Wir suchen Schuldige und erkennen nicht, wir sind mit schuld an diesen Systemfehlern. Warum? Da uns der Gedanke: Das ist halt so, da kann man nichts machen, leitet. Und genau das ist falsch. Mit dieser Haltung betonieren wir den Boden, auf dem die Schilder aufgestellt wurden und werden, die uns zu entmündigten Bittstellern machen. Allein Sätze wie: ”Die Kassen erwirtschafteten einen Überschuss” oder “Krankenkassen erzielten Überschuss” sind falsch! Kassen haben unsere Beitragsgelder zu verwalten! Wie und wer von dieser Art erwirtschaften profitiert und wer darunter leidet, wird gar nicht thematisiert! Wer krank ist, oder sogar chronsich krank, hat allein im vergangenen Jahr erlebt, wie die Zuzahlungen für Medikamente hoch geschossen sind. Viele haben es erst bemerkt, als sie angefangen haben, in der Apotheke einen Kassenzettel zu verlangen. Leider macht das auch fast niemand. Da stand dann aufeinmal zu den zusätzlichen Zusatzkosten ein extra Betrag. Bei Rückfragen kommt dann oft die Aussage: Das ist eben so, wir können nichts machen, fragen sie ihre Kasse. Ok, gute Idee, wenn alle die diese Kassenwillkürmassnahmen erleben, selbst oder deren Umfeld, massiv in den Kassen vorstellig werden, wären wir schon weiter! Wer mich jetzt fragt, was soll ich denn dagegen machen? 1) Nicht alles als gegeben hinnehmen, sich informieren 2) Mehr hinterfragen, um eine Antwort über den Entscheider der Massnahmen zu bekommen 3) Sich von Kassenmitarbeitern nie abwimmeln lassen 4) Bei Antworten ” steht im Gesetz” oder ” Ist gesetzlich können wir nichts machen” den Gesetzestext anfordern – nicht nachgeben. Auf das Recht nach Information bestehen. Meine Erfahrung: Viele Aussagen von wegen es gebe dazu Gesetze, sind falsch!
5) Andere informieren, sich untereinander austauschen Fazit: Selbstbewusste, informierte Bürger – und Bürgerinnen lassen sich nicht so leicht an der Nase herum führen. Und genau da beginnt der Abbau der Denke – da kann man nichts machen! Man kann, glauben Sie mir, man kann!

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Krankenkassen – Alltagsgeschichten

Allein am vergangenen Wochenende bekam ich 14 Anfragen zum Thema “Kasse verweigert Leistung.” Die Kontakte kommen überwiegend über E-Mail in der üblichen Tonart. “Frau Hartwig brauche ihre Unterstützung.” Oder “Die Kasse verweigert meiner Oma seit Monaten notwendige Hilfsmittel. Was können wir machen?” Und dann gibt es Situationen, bei denen ich tief durchatmen muss, um nicht auf den Tisch zu hauen.

Da sitze ich mit meinem Mann im Cafe und am Nebentisch sitzen drei junge Frauen und unterhalten sich unüberhörbar. Eine kam von der Apotheke und beschwerte sich über hohe Zuzahlungen für Medikamente. Aus ihrem kleinen Rucksack nahm sie ihre Geldbörse und legt den Kassenbon als Beweis auf den Tisch. Jeder der Damen gab dazu einen Kommentar, wobei das Wort “unverschämt” die harmlose Variante der eigenen Meinung war. Kurze Zeit später fragte eine, wo sie den Rucksack gekauft hat. Antwort: “Bonus von meiner Krankenkasse!” So, da ist er, der Moment bei dem entweder bei mir Schnappatmung einsetzt, da ich am liebsten auf den Tisch hauen würde. Am Blick meines Mannes sah ich, er ahnte was ich denke und am liebsten machen würde.  Also das kann ich doch nicht so stehen lassen. Ein ganzes Jahrzehnt versuche ich über Publikationen und Vorträge das Bewusstsein zu schärfen, um genau hinzusehen, was da abgeht in unserem Gesundheitssystem, speziell in den Krankenkassen. Und dann das!! Die Bestuhlung in diesem Cafe war eng. Es war jedem klar, der Nebentisch hört alles mit. Manchmal trafen sich auch unsere Blicke. Beim Gehen legte ich den Damen meine Visitenkarte mit der Webadresse von meinem Blog auf den Tisch. ” Hier können Sie nachlesen, was Ihre Zuzahlung mit Ihrem Rucksack zu tun hat!”  Ob sie es getan haben, keine Ahnung. Nur so entging ich der Schnappatmung und auf den Tisch habe ich nur gedanklich gehauen.

Denn das Geld, das uns die Kassen als Bonus oder Rabatt “schenken”, geht von dem Geld für die Behandlung der Kranken ab. Die Kassen erwirtschaften ja keine zusätzlichen Gelder mit dem Verkauf von Äpfeln oder Klosterfrau Melissengeist! Sie verpulvern stattdessen Millionen für Werbung, um uns die Lockangebote überhaupt erst schmackhaft zu machen. Und auch in anderen Bereichen schneiden sie sich die Prämien nicht durch Sparsamkeit etwa aus dem Fleisch. Die Kassen sind alles andere als Sparfüchse, wenn es um ihre Gehälter oder Gebäude geht. Nein, das Geld kommt aus der einzigen Quelle, aus der sie sich frei bedienen können: Unserem Beitragsgeld!

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Krankenkassen und Werbung

Heute beginnt bereits der zweite Monat im Jahr 2017. Und wir werden bis zu der Bundestagswahl im September laufend hören, wie wichtig wir Bürger und Bürgerinnen, den Kandidaten der Parteien sind. Genau aus diesem Grund, werde ich nacheinander, die Fässer aufmachen, von denen ich weiss, wie sie bewusst in den letzten Jahren verschlossen wurden. Es vergeht kein einziger Tag, an dem mir nicht völlig absurde Entscheidungen von einer Krankenkasse  gegenüber einem Erkrankten, auf den Schreibtisch flattert. Es geht, bei dem zu öffneten Fass, um uns gesetzliche Krankenkassenversicherte der GKV!

Da es den meisten gesunden Beitragszahlern gar nicht klar ist, was so alles in der schrägen Welt der Krankenkassen abgeht, spreche ich jetzt alle an, in der Funktion als Finanziers des Gesundheitswesens! Hallo, wir reden hier von jährlich ca. 240 Milliarden €, die wir  als Beiträge in die gesetzlichen Krankenkassen einzahlen. Ohne auch nur einen Hauch von Nachvollziehbar, über die Verteilerströme mitzubekommen! Beginnen wir mit der Werbung. Jeder von uns sieht sie, hört sie und liest sie, die Werbungen der Kassen. Gern würde ich einmal  jemand kennen lernen, der gefragt wurde, ob er die Werbung, die er mitfinanziert, genehmigt hat? Sorry, habe vergessen wie es in den Spitzen dieser Zunft gehändelt wird! Zwangsmitglieder haben nicht mitzuentscheiden, sondern lediglich zu zahlen, auch nicht nachzufragen. Und auf keinen Fall, die Vorgänge in den Verwaltungstürmen der Kassen zu hinterfragen. Kurz um: Mitdenken nicht erwünscht! Und genau dazu rufe ich jetzt einmal auf. Weil sich viel zu viele gar nicht vorstellen können, wie dieser aufgeblasene Mamutapperat Krankenkasse, sich unsere Beitragsgelder krallt um sie für ihren Machterhalt einzusetzen! Als Beispiel beginnen wir heute einmal mit der AOK. Die AOK Beitragszahler können sich auf die Schulter klopfen. Immerhin sind sie die Hauptsponsoren der Handball Nationalelf. Seit einem Jahr fließen Millionen an Beiträgen allein in diese Richtung. Nahezu 450 tsd. Ergebnisse  tauchen im Internet, in der größten Suchmaschine, allein bei AOK Werbung  auf !! Laut deren Eigenwerbung ”betreut” die AOK fast ein Drittel der Bevölkerung. Betreut? Da ist sie wieder die Redefinition der Begriffe. Die AOK kassiert, wie alle anderen Kassen Beiträge und hat als Körperschaft öffentlichen Rechts nur den Auftrag diese zu verwalten. Sonst nichts!!! Dank politischer Fehlentscheidungen wurde aus den Kassen ein Machtapperat, dem wir Beitragszahler als Bittsteller gegenüber stehen! Dazu gehört z.B. Oma Krause mit ihrem wundgesessenen Po auf dem kaputten Spezialkissen,um dass sie seit langem für ein Neues bettelt, Herr Ludwig mit seinen durchnässten Einlagen, da ihm die  eingeteilten von der Kasse  nicht langen. Der behinderte Max, dem die Physiotherapie verweigert wird. Oder Herr Werner,der sich die Zuzahlung nicht leisten kann und nicht mehr lacht, damit man seine Zahnlücke  nicht sieht. Ob die sich tatsächlich gut betreut vorkommen? Nicht zu vergessen, die Ärzte und Ärztinnen dieser Personen, die aufgrund dieses eingeführten Budget  – Irrsinns, sich bei jedem Rezept, bei jeder Behandlung auf dünnes Eis begeben. Denn sie müssen einkalkulieren, für  jede  ihrer  medizinische Entscheidung in Regress genommen zu werden. All diese Probleme verhallen ungehört. Jedem der jetzt (auch nur gedanklich) an der Tastatur “geht mich nichts an” eingeben will, sag ich: Vorsicht, das gilt nur solange es Dich nicht trifft. Spätestens dann erkennst Du sie, die Systemfehler und vor allem, dass Du es bist,  die  sie ausbaden.

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Sackgasse Gesundheitssystem

Nach amerikanischem Vorbild wird in unserem umgebauten Gesundheitswesen der Mensch zum Spekulationsobjekt, das Gesundheitswesen zum Markt, und die Heilung (wo sie noch stattfindet) zum Geschäft.

Durch das Raster dieser Ideologie fallen all diejenigen, die keine Kraft (mehr) haben zu kämpfen, weil sie durch ihre Krankheit auf die Hilfe eines wirklichen guten Gesundheitswesens angewiesen wären, das keiner anderen Option folgt, als dem maximalen Nutzen des wirklich kranken Menschen. Stattdessen wirtschaftet die Politik in die Bilanzen der Medizinkonzerne und Pharmaunternehmen; sie betreibt Wirtschaftsförderung statt Sozialpolitik. Fast alle Patienten haben das auf die eine oder andere Weise schon entdeckt, aber sie halten ihre persönliche Erfahrung für einen Zufall, den man nicht generalisieren kann. Nur, wenn tausendmal der gleiche „Zufall“ passiert, steckt System dahinter. Seit einem Jahrzehnt publiziere ich, wie perfide der „Zufall“ für die Kranken und die kleinen Rädchen im Gesundheitswesen (Ärzte, Therapeuten, Schwestern, Pfleger) organisiert ist. Die handelnden Personen rechnen mit der Komplexität der Verhältnisse und dass keiner mehr den Durchblick hat, wer nun wirklich noch das Interesse des Patienten im Blick hat und wer nur sein Schäfchen oder das Schäfchen eines Größeren, der ihn für seinen Schäfchensorge bezahlt, im Blick hat. In den Zentren der Macht, in den Kapitalgesellschaften, den Klinikkonzernen, der Medizinindustrie ist man sich sicher, dass die große Restrukturierung kommt, ja dass man mit Riesenschritten auf den Umbau nach amerikanischem Vorbild zuläuft. Dagegen stehen:

Ärzte, die mit ihrem einseitigen Blick auf Honorare, durch mangelnde Solidarität untereinander, eine breite gesellschaftliche Thematisierung der Probleme blockieren.

Völlig absurde Konkurrenzkämpfe, geführt auf der ärztlichen Funktionärsebene, zu der eigenen Besitzstandswahrung, den Umbau mittragen.

Ein personell ausgedünnter Pflegebereich, in dem das Pflegepersonal weit über die Schmerzgrenze belastet, keine Kraft mehr hat, sich zu wehren.

Millionen von gesetzlichen Kassenversicherten, die bis zu dem Moment, wenn sie es als Patient selbst  betrifft, leider so tun, als ginge sie das alles gar nichts an.

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