Sonntagsgedanken

Sonntagsgedanken

Advent 2021

Wer kennt ihn nicht, den Wunsch einen schönen Moment für eine Weile festzuhalten. So wie eine Seifenblase, die schneller gefror, als sie platzen konnte und deshalb gute Chancen hat, bis zum nächsten Tauwetter bestehen zu bleiben. Lassen sich unsere persönlichen, besonderen Momente auch einfrieren? Ganz sicher, wenn sie in unserem Gedächtnis weiterleben. Uns daran erinnert, dass der oder die Momente, etwas Besonderes waren.
Advent ist eine besondere Zeit. Nur wird dieses Besondere zu oft vom Alltag weggetragen. In diesem Advent 2021 wünschen wir uns alle, ein kleines Stück Menschlichkeit zurück.
Ihr wisst, ich liebe diese Zeit. Es ist für mich, als wenn ich zum Ende eines Jahres den Akku auflade. Es fängt an, wenn ich bereits Mitte November auf dem Dachboden in Kisten und Schachteln krame um die Deko für Advent zusammenzusuchen. Und jedes Jahr versinke ich mit meinem leicht ramponierten, pausbäckigen Weihnachtsengel in der Hand, in Erinnerungen.

Ja, mein Mann Paul und ich freuen uns auf diese Zeit, in der unser ganzes Zuhause adventlich erstrahlt. Wie jedes Jahr haben wir ein Ritual. Beim Frühstück wird täglich, Blatt für Blatt aus einem etwas anderen Adventskalender gelesen. Und am Abend setzen wir uns hin, um uns gegenseitig ein Kapitel aus einem Buch vorzulesen, dass wir extra für die Adventszeit ausgesucht haben. Die Hektik bleibt vor der Türe. Nachdem auch dieses Jahr diese schöne Zeit von negativen Nachrichten überschattet wird, dachten wir, vielleicht findet jeder für sich so ein Ritual, pro Tag einen Moment inne zu halten und die Welt draußen zu lassen! Für uns ist es wie ein Kraftquell, den wir jedem wünschen.

Wir wünschen von Herzen eine schöne Adventszeit!

Viele Grüße von Haus zu Haus sendet Renate Hartwig

Sonntagsgedanken

31. Oktober 2021 – es gibt Daten, die haben sich schmerzlich und unauslöschlich eingebrannt. Heute ist so ein Datum für meinen Mann und mich! Deshalb beginnt mein Tatsachenroman „Erbschleicher § sonstige Verwandte“ genau an einem 31.10. in dem ich dieses unbegreiflich Erlebte in Worte fasste. Aufgrund der Flut von Zuschriften meiner Leser und Leserinnen, kam es zu Kontakten, die mir eine dunkle gesellschaftliche Seite eröffnete, über die – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Belegt mit Schamgefühl, werden innerhalb von Familien, Lug, Betrug, Bosheit und Raffgier, bis hin zur persönlichen und existenziellen Vernichtung tabuisiert.

Genau deshalb, starte ich heute mit der:

Initiative Courage Ü 65 – Schluss mit Tabuthemen!

Wenn nicht jetzt, wann dann, wollen wir den letzten Teil des Lebens nutzen um z.B. Erbschleicherei, Entmündigung, Vereinsamung, Ausgrenzung, Altersarmut usw. die Stirn zu bieten!? Ziehen wir den Schleier des Schweigens weg, öffnen die geschlossenen Fenster und stellen uns mutig dem Herbst des Lebens!

Keine Frage unbestritten: Die „Jungen“ haben ein Recht auf ihr ganz eigenes Leben! Das heißt aber nicht, wir „Alten“ müssen unser gelebtes Leben hintenanstellen, abhaken, vergessen, als sei es nichts wert und ab dem Rentenalter vorbei.

Nein, wir brauchen kein Mitleid! Wir müssen nicht erduldend abwarten was mit uns geschieht. Nicht zulassen, wie über uns entschieden wird und wir kraftlos werden.

Mit dieser Initiative möchte ich allen Ü 65 Mut machen, sich auf einen farbenprächtigen Herbst des Lebens einzulassen. Vor allem, wenn es sein muss, einen familiären Herbststurm anzufachen und ihm auf keinen Fall auszuweichen.

Interesse an persönlichen oder digitalen Treffen der Initiative?

Bitte melden!   mail@renate-hartwig.de

Leseprobe und mehr zum Buch: https://www.direkt-zum -buch.de/leseprobe

Sonntagsgedanken

Die Weisheit der Cree Indianer

Der Herbst beglückt uns mit seinen wunderbaren Farben und heute erfreut uns dazu noch ein strahlend blauer Himmel. In der vergangenen Woche bekam ich einige Mitteilungen, in denen sich bissige Erwachsene über die Jugend aufregten, die weltweit für Mutter Erde aufstehen!

So mancher Mann und manche Frau, die mir persönlich bekannt sind, toben den eigenen Frust an dieser Jugendbewegung aus. Es geht teiweise unter die Gürtellinie, besonders wenn es um Greta aus Schweden geht!

Hand aufs Herz: Wenn wir den Jugendlichen den Wohlstand vorwerfen, in dem sie aufwachsen, vergessen wir eine grundsätzliche Frage zu stellen. Sind sie nicht genau in dem Überfluss groß geworden, den wir – oft völlig übertrieben – geschaffen haben? Drehen wir es einfach um. Fragen uns selbstkritisch, ob da nicht so manche Kritik der rebellierenden Jugend, berechtigt ist? Ist in diesem Aufbegehren nicht auch DIE Chance die wir ALLE nutzen sollten!? Ob die Eltern oder Großelterngeneration dieser Jugendlichen, wir alle könnten im Gespräch miteinander, an einem Faden knüpfen, der uns verbindet und weiterbringt!

Besonders diejenigen, die aufzählen was geschaffen wurde, wovon die Jugend heute profitiert, möchte ich an die „Gretas“ der achtziger und neunziger Jahre erinnern! Ihre Warnungen kamen musikalisch. Möchte nicht wissen, wer von den heutigen bissigen Erwachsenen damals mit Hunderttausenden das Lied, mit der indianische Weisheit der Cree Indianer, mitgesungen hat.

Und die heute den Finger, wenn sie könnten sogar die Faust, gegen diese revolutionierende Jugend erheben, die sollen ganz schnell in den nächsten Spiegel sehen und sich hinterfragen: Wo ist der eigene Anteil, weshalb uns diese Schüler – Generation heute BERECHTIGT an unsere Versäumnisse erinnert!? Auch auf unser angepasstes Leben blickt, auf unsere Forderungen, wie die Welt zu funktionieren hat. Sie nehmen es uns nicht ab, dass damit verbunden ist, diesen sogenannten Wohlstand zu generieren!

Mein Sonntagsgruß ist heute ein Link. Für diejenigen, die keine 3 Minuten haben um das Lied anzuhören, was echt schade wäre, hier zur Erinnerung. Egal wieviel Jahre wir heute zählen, die Weisheit der Cree Indianer war irgendwann unser aller Thema. Wir haben sie nur nicht ernst genommen. Nicht wahrgenommen, dass nur wir allein es ändern könnten! Jeder für sich, jeder ein wenig, jeder an seinem Platz des Lebens. Wie eben alles sich nur verändert, wenn darüber nicht nur geredet, sondern es auch getan wird!

Hier ist sie, die Weisheit der Cree Indianer: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.

Hier der Song von damals, als es auch schon „Gretas“ gab.

https://www.youtube.com/watch?v=DTD-aPtxKoo

Herzlichen Sonntagsgruß Renate Hartwig

Sonntagsgedanken

Sonntagsgedanken 17.10.2021

Bei der heutigen Eilmeldung auf Focus online, dass die alte Regierung noch schnell 200 Beamte in gut bezahlte Spitzenjobs, mit mindestens 7123 Euro Grundgehalt befördert, sah ich vor mir die 86-jährige Rentnerin, die ich letzte Woche beim Laufen im Wald getroffen hatte.

Sie saß auf einer Bank und hielt in einer Hand ein zusammen geklapptes Stück Brot, aus der anderen nahm sie aus einer kleinen Tüte, die neben ihr stand, einen klein geschnittenen Apfel. Neben der Bank stand ein Leiterwagen, wie ich ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Ich fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit, als ich mit meiner Mutter im Wald Tannenzapfen und Bruchholz zum anfeuern sammelte. Auf meine Frage ob es ihr etwas ausmacht, wenn ich mich zu ihr setze, sah ich zwar ihr Staunen, doch sie nickte. Wir kamen gleich ins Gespräch. Erst über die gute Idee hier am Waldrand eine Bank aufzustellen und darüber, dass diese sicher schon sehr lange Wind und Wetter trotzt! Als ich ihr sagte, dass wir bis vor ein paar Jahren Hunde hatten, mit denen mein Mann und ich auch oft den Weg gegangen sind und als die kurz hintereinander verstorben sind, wir lange brauchten um den Weg wieder zu gehen, fing sie zu erzählen an. 

Ein Leben lang hat sie immer gearbeitet, auf viel verzichtet um den zwei Kindern Ausbildung zu ermöglichen. Ihr Mann war 42 Jahre auf dem Bau, dann haben die Knochen nicht mehr mitgemacht. Und mit den 1220 € Rente konnte man keine großen Sprünge machen. Einige Jahre hat er noch für Nachbarn Rasen gemäht, Schnee geräumt, als es noch einen gab. Sie hat lange Jahre dazuverdient, wegen der Kinder eben nur halbtags. Davon bekommt sie jetzt eine kleine Rente. Es hat immer irgendwie gelangt. Bis vor 3 Jahren hat sie noch nebenbei bei Leuten gebügelt, doch nun kann sie nicht mehr so lange stehen. Als der Mann verstorben ist, gab es nur 732 € Witwenrente und Probleme mit dem Mietzuschuss, da laut Amt die Wohnung für sie alleine zu groß sei!! Nur wo sollte sie hin? Bei den Kindern war kein Platz. Der Sohn hat auf eine Anzeige geschrieben, in der eine kleine günstige Wohnung angeboten wurde. Und da wohnt sie nun. Die Wohnung hat noch einen kleinen Kanonenofen, der wohl nicht mehr lange erlaubt ist. Nur mit dem, sagt sie stolz, kann sie die teuren Heizkosten sparen.

In der Nachbarschaft von ihr wohnt ein Unternehmer – Ehepaar, sie hat sich gemedet, als die jemanden verlässlichen gesucht haben, wenn sie auf Geschäfts – Reisen oder im Urlaub sind. Die Katzen füttern und die Rollläden am Morgen auf und am Abend zuzumachen. Der Korb mit Lebensmitteln, der dann auf dem Küchentisch steht und den sie mitnehmen darf, sei wie eine Wundertüte. In dem Moment lachte sie und mir schien, die Freude war echt und sie wirkte nicht verbittert! Mir hingegen drehte sich der Magen um und mein Adrenalinspiegel stieg. Ich fragte sie ob ich helfen darf, den kleinen Leiterwagen mit Bruchholz zu füllen. Mir ging es tatsächlich an die Substanz, ich konnte jetzt nicht einfach mit meinen Stöcken so weiterlaufen, als habe ich diese Frau nicht getroffen. Ja, natürlich bin ich mit ihr und dem Leiterwagen dann auch zurückgelaufen. Weiß wo sie wohnt, wer sie ist. Halte den Kontakt aufrecht. Nur darum geht es nicht!

Wir haben eine gesellschaftliche Schieflage, die wir gar nicht wahrnehmen wollen! Der allgemeine Tenor lautet: Hauptsache MIR geht es gut! ICH bin versorgt. Die Rentnerin, die ich im Wald traf, ist eben kein Einzelschicksal – wie es oft abgetan wird! Sie geht nur unter, wird nicht registriert – und wenn – dann nur mit dem Gedanken im Kopf: Selber schuld, geht mich nichts an!

Heute auf Focus online bekam ich bei der Info, dass kurz vor dem Regierungswechsel noch schnell 200 Beamte mit Spitzengehältern von mindestens 7123 Euro Grundgehalt, nach oben befördert wurden, in die nächste Besoldungsstufe, die Bestätigung: Es gibt ihn, diesen schamlosen, unverschämten Selbstbedienungsladen in dem sich Politiker bedienen! Außerdem weiß ich, weshalb es umgangssprachlich „Volkstreter“ statt Volksvertreter heißt! 

Einen nachdenklichen 3. Sonntag im Oktober wünscht Renate Hartwig