Rente

Sonntagsgedanken

31. Oktober 2021 – es gibt Daten, die haben sich schmerzlich und unauslöschlich eingebrannt. Heute ist so ein Datum für meinen Mann und mich! Deshalb beginnt mein Tatsachenroman „Erbschleicher § sonstige Verwandte“ genau an einem 31.10. in dem ich dieses unbegreiflich Erlebte in Worte fasste. Aufgrund der Flut von Zuschriften meiner Leser und Leserinnen, kam es zu Kontakten, die mir eine dunkle gesellschaftliche Seite eröffnete, über die – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Belegt mit Schamgefühl, werden innerhalb von Familien, Lug, Betrug, Bosheit und Raffgier, bis hin zur persönlichen und existenziellen Vernichtung tabuisiert.

Genau deshalb, starte ich heute mit der:

Initiative Courage Ü 65 – Schluss mit Tabuthemen!

Wenn nicht jetzt, wann dann, wollen wir den letzten Teil des Lebens nutzen um z.B. Erbschleicherei, Entmündigung, Vereinsamung, Ausgrenzung, Altersarmut usw. die Stirn zu bieten!? Ziehen wir den Schleier des Schweigens weg, öffnen die geschlossenen Fenster und stellen uns mutig dem Herbst des Lebens!

Keine Frage unbestritten: Die „Jungen“ haben ein Recht auf ihr ganz eigenes Leben! Das heißt aber nicht, wir „Alten“ müssen unser gelebtes Leben hintenanstellen, abhaken, vergessen, als sei es nichts wert und ab dem Rentenalter vorbei.

Nein, wir brauchen kein Mitleid! Wir müssen nicht erduldend abwarten was mit uns geschieht. Nicht zulassen, wie über uns entschieden wird und wir kraftlos werden.

Mit dieser Initiative möchte ich allen Ü 65 Mut machen, sich auf einen farbenprächtigen Herbst des Lebens einzulassen. Vor allem, wenn es sein muss, einen familiären Herbststurm anzufachen und ihm auf keinen Fall auszuweichen.

Interesse an persönlichen oder digitalen Treffen der Initiative?

Bitte melden!   mail@renate-hartwig.de

Leseprobe und mehr zum Buch: https://www.direkt-zum -buch.de/leseprobe

Sonntagsgedanken

Sonntagsgedanken 17.10.2021

Bei der heutigen Eilmeldung auf Focus online, dass die alte Regierung noch schnell 200 Beamte in gut bezahlte Spitzenjobs, mit mindestens 7123 Euro Grundgehalt befördert, sah ich vor mir die 86-jährige Rentnerin, die ich letzte Woche beim Laufen im Wald getroffen hatte.

Sie saß auf einer Bank und hielt in einer Hand ein zusammen geklapptes Stück Brot, aus der anderen nahm sie aus einer kleinen Tüte, die neben ihr stand, einen klein geschnittenen Apfel. Neben der Bank stand ein Leiterwagen, wie ich ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Ich fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit, als ich mit meiner Mutter im Wald Tannenzapfen und Bruchholz zum anfeuern sammelte. Auf meine Frage ob es ihr etwas ausmacht, wenn ich mich zu ihr setze, sah ich zwar ihr Staunen, doch sie nickte. Wir kamen gleich ins Gespräch. Erst über die gute Idee hier am Waldrand eine Bank aufzustellen und darüber, dass diese sicher schon sehr lange Wind und Wetter trotzt! Als ich ihr sagte, dass wir bis vor ein paar Jahren Hunde hatten, mit denen mein Mann und ich auch oft den Weg gegangen sind und als die kurz hintereinander verstorben sind, wir lange brauchten um den Weg wieder zu gehen, fing sie zu erzählen an. 

Ein Leben lang hat sie immer gearbeitet, auf viel verzichtet um den zwei Kindern Ausbildung zu ermöglichen. Ihr Mann war 42 Jahre auf dem Bau, dann haben die Knochen nicht mehr mitgemacht. Und mit den 1220 € Rente konnte man keine großen Sprünge machen. Einige Jahre hat er noch für Nachbarn Rasen gemäht, Schnee geräumt, als es noch einen gab. Sie hat lange Jahre dazuverdient, wegen der Kinder eben nur halbtags. Davon bekommt sie jetzt eine kleine Rente. Es hat immer irgendwie gelangt. Bis vor 3 Jahren hat sie noch nebenbei bei Leuten gebügelt, doch nun kann sie nicht mehr so lange stehen. Als der Mann verstorben ist, gab es nur 732 € Witwenrente und Probleme mit dem Mietzuschuss, da laut Amt die Wohnung für sie alleine zu groß sei!! Nur wo sollte sie hin? Bei den Kindern war kein Platz. Der Sohn hat auf eine Anzeige geschrieben, in der eine kleine günstige Wohnung angeboten wurde. Und da wohnt sie nun. Die Wohnung hat noch einen kleinen Kanonenofen, der wohl nicht mehr lange erlaubt ist. Nur mit dem, sagt sie stolz, kann sie die teuren Heizkosten sparen.

In der Nachbarschaft von ihr wohnt ein Unternehmer – Ehepaar, sie hat sich gemedet, als die jemanden verlässlichen gesucht haben, wenn sie auf Geschäfts – Reisen oder im Urlaub sind. Die Katzen füttern und die Rollläden am Morgen auf und am Abend zuzumachen. Der Korb mit Lebensmitteln, der dann auf dem Küchentisch steht und den sie mitnehmen darf, sei wie eine Wundertüte. In dem Moment lachte sie und mir schien, die Freude war echt und sie wirkte nicht verbittert! Mir hingegen drehte sich der Magen um und mein Adrenalinspiegel stieg. Ich fragte sie ob ich helfen darf, den kleinen Leiterwagen mit Bruchholz zu füllen. Mir ging es tatsächlich an die Substanz, ich konnte jetzt nicht einfach mit meinen Stöcken so weiterlaufen, als habe ich diese Frau nicht getroffen. Ja, natürlich bin ich mit ihr und dem Leiterwagen dann auch zurückgelaufen. Weiß wo sie wohnt, wer sie ist. Halte den Kontakt aufrecht. Nur darum geht es nicht!

Wir haben eine gesellschaftliche Schieflage, die wir gar nicht wahrnehmen wollen! Der allgemeine Tenor lautet: Hauptsache MIR geht es gut! ICH bin versorgt. Die Rentnerin, die ich im Wald traf, ist eben kein Einzelschicksal – wie es oft abgetan wird! Sie geht nur unter, wird nicht registriert – und wenn – dann nur mit dem Gedanken im Kopf: Selber schuld, geht mich nichts an!

Heute auf Focus online bekam ich bei der Info, dass kurz vor dem Regierungswechsel noch schnell 200 Beamte mit Spitzengehältern von mindestens 7123 Euro Grundgehalt, nach oben befördert wurden, in die nächste Besoldungsstufe, die Bestätigung: Es gibt ihn, diesen schamlosen, unverschämten Selbstbedienungsladen in dem sich Politiker bedienen! Außerdem weiß ich, weshalb es umgangssprachlich „Volkstreter“ statt Volksvertreter heißt! 

Einen nachdenklichen 3. Sonntag im Oktober wünscht Renate Hartwig