Dezember 2025

Zum Jahreswechsel : Ein halbvolles Glas

Das Jahr neigt sich zu Ende und am letzten Tag des Jahres geht der Blick zurück. Da steht sie im Raum, die Frage: Habe ich erfüllt, was ich mir vorgenommen hatte? Waren die Ansprüche zu groß, die ich mir am ersten Tag des Jahres an die kommenden12 Monate stellte?

In den ruhigen Minuten, in denen ich mir die letzten Tage diese Frage stellte, ging mein Blick zurück und die bekannte Geschichte vom Optimisten und Pessimisten fiel mir ein. „Mein Glas auf dem Tisch“ sagt der Pessimist, ist halbleer. Der Optimist sagt hingegen: „Mein Glas ist halbvoll!“

Mit diesem Gedankenspiel ging ich zurück bis an den Anfang dieses Jahres und dachte nach, ob es richtig ist, bei dieser Jahres-Inventur, die negativen Ereignisse von diesem Jahr als Maßstab zu nehmen?

Da waren doch die unzähligen Kleinigkeiten, die aneinandergereiht es mir ermöglichten, zu lachen, mich zu freuen, das Leben zu spüren. Erfolgreich zu sein, im täglichen Tun! Immer wieder ist es mir gelungen, trotz Widrigkeiten am Abend zufrieden einzuschlafen. Es lag wohl daran, dass ich nicht zugelassen habe, dass das Negative mich bis ins Bett begleiten durfte. Es kam auf den Tisch, wurde von mir nicht verdrängt. Habe es angeschaut und in die Schublade gelegt, auf der „Erledigen“steht.

In vielen Lebenssituationen wurde ich von meiner Leserschaft gefragt :“Wie halten sie das aus?“ Aufgrund meiner grundsätzlichen inneren Einstellung zum Leben, zu meiner Arbeit, zu Menschen, zu Situationen, ist mir diese Frage fremd. Immerhin habe ich selbst diese Wege gewählt, die ich beruflich und privat gegangen bin und weiter gehe. Nun, wahrscheinlich zählen für mich diese Kleinigkeiten, die der Alltag für mich bereit hält, einfach mehr!

Zum Ende dieses Jahres, denke ich nun an das halbvolle und das halbleere Glas auf dem Tisch von 2025. Und ich beginne zu überlegen, weshalb ich so manch schräge Lebenssituation stemmen konnte und mir auch bewusst ist, dass ich es auch weiter kann!

Es liegt wohl daran, dass im privaten Bereich für mich der Platz ist, der mir Kraft gibt, Mut und Ausdauer, unbändiges Glück und Zufriedenheit. Ohne meinen Mann ging vieles nicht. Seine Ruhe, seine Liebe, seine Kraft, seine absolute Verlässlichkeit, sein Weitblick und seine Kreativität sind seit 38 Jahren der Belag auf der Autobahn unseres gemeinsamen Lebens.

Und da sind die schönen Erlebnisse, die zu oft durch den Blick auf das halbvolle Glas, gar nicht mehr wahrgenommen werden. Doch wer es versteht, sie zu registrieren, wird dabei auch sein Denken verändern.

Bei mir sind es Glücksmomente durch Zufälle, Begegnungen, die ich oft als Fügung des Schicksal wahrnehme und die mich immer wieder faszinieren und mich begeistern. Mich erfreuen und auf das halbvolle Glas blicken lassen.

Da ist jedoch auch das halbleere Glas, dass mir von Außenstehenden oft hingestellt wird. In dem Listen mit Warnungen sind. Auch Kopfschütteln über meine Spontanität, meine Risikobereitschaft, meinen Mut mich einzumischen, und das Unverständnis, dass mir kein Umweg zu lang ist um ans Ziel zu kommen.

Ich schiebe es nicht weg, dieses halbleere Glas, dass mir von Dritten hingestellt wird. Sondern höre in mich hinein. Denk dabei an meinen Bauch, mein erster und bester Berater. Auf ihn ist Verlass. Es sind die Erfahrungen aus den Jahrzehnten meines Lebens: Bauchgefühl verdrängt, Chancen verschenkt!

Zum Ende dieses Jahres ein großes Danke an Sie, Dich, an Euch die wir uns im Jahr 2025 begegnet sind. Sei es über meine Bücher und Publikationen, im Gespräch, bei unseren Treffen im Künstlerhaus, bei meinen Vorträgen und Lesungen….oder ganz einfach irgendwo und wir uns von Mensch zu Mensch wahrgenommen haben.

Starten wir in das neue Jahr 2026! Im Gepäck Optimismus, den Willen und den Mut immer das halbvolle Glas im Blick zu haben.

Herzliche Grüße von Haus zu Haus

Renate Hartwig

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Brief an das Christkind und die Folgen

 
Brief an das Christkind
Eingereicht von Stefan Reincke

In Nürnberg lebte eine alte Frau
für Sie war das Leben einsam und grau,
mit Ihrem Einkommen war es schlecht bestellt,
mit einem Wort - sie hatte kein Geld.

Sie überlegte angestrengt hin und her,
woher denn Geld zu kriegen wär'.
Ihr kam ein Gedanke - oh, wie fein,
sie schrieb einen Brief an das Christkindlein.

Liebes Christkind ich bin arm und alt,
das Geld ist zu wenig, und mir ist kalt,
drum schick mit schnellstens 100 Euro,
sonst werd' nicht mehr froh.

Eine andere Hilfe weiß ich nicht mehr,
denn ohne Moneten ist's doch recht schwer,
aber bitte beeil dich mit dem Geld,
sonst ist's nicht mehr schön auf dieser Welt.

Der Brief wird frankiert, in den Kasten gesteckt,
der Postbote ihn dann morgens entdeckt,
er liest die Adresse- was soll er nur machen,
„An das Christkind“- das ist ja zum Lachen.

Er denkt sich aber, ein Spaß muss sein,
der kommt ins Fach vom Finanzamt hinein.
Am nächsten Tag dort angekommen,
wird er vom Beamten in Empfang genommen.

Wenn Sie nun glauben, er schmeißt weg diesen Brief
so ist das nicht, da liegen Sie schief,
er liest die Adresse und denkt gleich dran,
wie man der alten Frau helfen kann.

Ja, Glauben Sie mir, das ist kein Scherz,
es gibt beim Finanzamt mal jemand mit Herz,
ihm kommt ein Gedanke, und das ist fein,
das könnt für die Frau eine Hilfe sein.

Er fängt gleich an durch die Büros zu wandern
Und sammelt recht fleißig von einem zum ändern.
Doch leider war er über den Erlös nicht ganz froh,
statt 100, bekam er nur 70 Euro.

Aber diese wurden dann verwandt
und an die arme Frau gesandt.
Diese freute sich sehr, man kann's kaum ermessen,
dass das Christkind hat sie nicht vergessen.

So schrieb Sie rasch einen Dankesbrief,
in Eile sie zum Postamt lief.
Sie schrieb ans liebe Christkindlein
dieses nette Brieflein:

Liebes Christkind deine Gabe erfreut mich so,
vielen Dank für die 70 Euro.
Doch solltest du mal wieder an mich denken
und so gütig mir wieder was schenken,
dann möchte ich Dich nur um eines bitten,
das Geld nicht über das Finanzamt zu schicken.
Denn die Lumpen haben ungelogen,
von den 100 Euro 30 abgezogen.

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